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Auf der Suche nach Wildnis – 10 Wochen Praktikum in der Wildnisschule Hoher Fläming

Im Rahmen meines Forstwirtschaftsstudiums an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde habe ich die Fortbildung für das Waldpädagogik-Zertifikat gemacht und bin dabei auf die Wildnis-Pädagogik aufmerksam geworden. Das klang für mich so spannend, dass ich mehr darüber wissen wollte und mich deshalb für ein Praktikum an der Wildnisschule Hoher Fläming beworben habe. Hier darf ich von Mitte Mai bis Ende Juli 2017 als Praktikantin Erfahrungen sammeln und einen Einblick in die Arbeitsweise der Wildnisschule Hoher Fläming bekommen. Darüber werde ich hier regelmäßig berichten.

Wildnis, das ist das, wo kein Mensch ist. So habe ich das gelernt. Wildnis als das Gegenteil zur Kultur, das Gegenteil zum Menschen, das ist dort, wo der Mensch nicht ist und nicht gewirkt hat. Wildnis im Hohen Fläming – Wie soll das denn gehen? Immerhin handelt es sich hier um eine Kulturlandschaft, die seit Jahrtausenden von Menschen geprägt und besiedelt ist. Schon Napoleon schlug hier eine Schlacht und die ersten Siedlungsbefunde aus der Gegend reichen 11.500 Jahre zurück. Hier soll es also wild sein? Und Schule? Kann man Wildnis denn lehren? Ist das nicht ein Zustand, unabhängig vom Menschen? Ich bin skeptisch und neugierig darauf, mehr über Wildnis-Pädagogik zu erfahren und will deshalb 10 Wochen als Praktikantin in der Wildnisschule Hoher Fläming mitarbeiten.  Ob ich hier Wildnis in der Kultur-Landschaft finden werde?

Kurz vorher bis jetzt (18.05.2017)

„Was macht ihr denn dann da so?“ fragt mich ein Kumpel eine Woche vor Beginn des Praktikums. „Na, Spuren lesen und so!“ antworte ich. Meine absolute Ahnungslosigkeit vertusche ich gekonnt mit ausdrucksloser Gelassenheit und jenem „Ist doch logisch!“- Unterton in der Stimme, der jeden anderen dazu bringt lieber nicht weiter nachzufragen. Dabei bin ich genauso ahnungslos wie er. Was machen die da eigentlich? Was ist das, eine Wildnis-Schule? Was mach ich da eigentlich? Irgendwie mit, das ist klar. Aber was ist das: Wildnis-Pädagogik? Was machen die in ihren Camps? Wie lehrt man Naturverbindung? Was ist eigentlich Wildnis? Und worum geht es denn beim Spurenlesen?

Meine Neugier und meine Skepsis haben mich hierhergebracht. Die zwei sind gut befreundet: Die eine will immer alles wissen und stellt die ganze Zeit Fragen, während die andere damit beschäftigt ist, die erhaltenen Antworten wiederum in Frage zu stellen. Manchmal gehen mir beide so richtig auf die Nerven.

Jetzt sitze ich in einem kleinen Bauwagen mitten auf einer alten Streuobst-Wiese im Hohen Fläming und mein Computer teilt mir mit, dass es hier keine verfügbaren W-Lan-Netzwerke gibt. Irgendwie fühlt sich das ein wenig gruselig an. So ungewohnt, so wie eine kalte Dusche. Ich will ganz schnell wieder dahin, wo es W-Lan gibt. Da gibt es Kultur, da gibt es Zivilisation, da bin ich zu Hause.

Erste Begegnungen (19.05.2017)

Die Hornisse

Mein Bauwagen, indem ich die Zeit über wohne, ist ein alter Bienenwagen. Leider macht er seinem Namen alle Ehre: Die Wespen sind besonders aktiv, aber auch ein Haufen wilder Bienen tummelt sich hier und ich habe regelmäßig Hornissen-Besuch. Mit denen muss ich jetzt irgendwie klarkommen. Die Wespen sind allem Anschein nach im Nest-Bau-Modus: ich habe bereits fünf kleine Nester entfernt, eines davon von der Kapuze meiner Jacke. Der Wagen ist ein idealer Platz für ein solches Nest: trocken, ruhig und windgeschützt.

Ist jetzt aber meiner! Ich habe ein Moskitonetz über das Bett gespannt, das lässt mich morgens dann gut weiterschlafen, wenn ich das tiefe, laute Brummen der Hornisse höre. Aber wie gehe ich jetzt tagsüber mit der Nähe zu diesen Insekten um? Sie können stechen und das tut weh. Vor Hornissen habe ich richtig Angst. Die sind einfach so riesig!

Paul hat mir von Volk der San erzählt, ein altes Jägervolk der Kalahari-Wüste. Wie sie sich in das Tier, dass sie jagen hineinversetzen. Ich frage mich, wie diese Menschen wohl mit so einer Nähe zu stechenden Insekten umgehen würden. Irgendwie glaube ich, dass sie sehr wahrscheinlich nicht laut quietschend und mit dem Armen um sich schlagend möglichst weit weglaufen würden. Das ist leider immer mein erster Impuls.

Nur kurze Zeit später habe ich im Bienenwagen eine Begegnung mit einem meiner fliegenden Mitbewohner. Eine Hornisse sitzt am Fenster, ungefähr anderthalb Meter von mir entfernt. Sie fliegt auf, zu mir herüber, ich höre ihr Brummen und spüre den Luftzug, den ihr Flügelschlag auslöst, an meiner Wade. Sie landet dort, an meinem rechten Bein. Ich bleibe trotz der inneren Aufregung ruhig, schaue sie an und nehme die ungewöhnliche Empfindung auf meiner Haut war. Für einen Moment sitzt sie auf mir, bevor sie startet und den Wagen durch die offene Tür verlässt.

Ich schaue ihr nach, bin etwas aufgeregt und total stolz auf mich, dass ich nicht in Panik verfallen bin. Aber da ist noch ein anderes Gefühl: Es ist etwas vage und unbestimmt, aber es ist das Gefühl von Nähe, fast schon Zuneigung zu diesem fremdartigen Lebewesen, dass so ganz anders ist als ich.

Fühlt sich gut an.

 

1 Kommentar

  1. Sehr schön geschrieben! Viel Spaß und eine abenteuerliche Zeit wünsch ich dir 🙂

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