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Auf der Suche nach Wildnis – Praktikum in der Wildnisschule – Teil 6 und 7

Fährtenlesen-Weiterbildung
Leute, ich habe ein Hammer-Wochenende hinter mir! Es war das dritte Mal dass sich die diesjährige Fährtenlesen-Weiterbildung für ein langes Wochenenede am Zinken traf und ich durfte zum zweiten Mal dabei sein. Im Mittelpunkt standen die Themen “Gangarten” und “Story telling”. Also, die Gangarten zeigen uns in welchem Tempo und vielleicht auch in welcher Stimmung die Tiere unterwegs waren: Hatten sie es eilig? Waren sie vorsichtig? Wurden sie gestört? Die Schwierigkeit dabei ist eigentlich vor allem, dass die meisten Tiere vier Beine haben und die auch zur Fortbewegung benutzen. Dann setzen sie diese oft nicht hübsch nebeneinander oder hintereinander ab, sondern treten oft in ihre eigene Spur. Und dann gibt es eine Menge an Varietäten der drei Grund-Gangarten Schritt, Trab und Galopp und darin natürlich auch Übergänge und dann noch die Ausnahmen… Unsere Köpfe rauchten! Aber die Theorie war nur ein sehr kleiner Teil, die meiste Zeit waren wir draußen unterwegs, suchten, fanden und analysierten Spuren, probierten uns selbst in den verschiedenen Gangarten und versuchten auch unsere eigenen Spuren mal zu finden. Auch was eine gute Geschichte ausmacht konnten wir lernen und üben und uns dann abends am Lagerfeuer gegenseitig mit unserem neuen Können begeistern. Aus der Weiterbildung hat sich bereits ein Tracking-Club gebildet, den ich am nächsten Montag mal besuchen möchte…

Projekttage mit der Freien Schule Bad Belzig
Es waren zwei Tage lang zehn Kinder der Freien Schule bei uns und beschäftigten sich mit dem Thema “Respektvolle Jagd”. Neben Spielen und Übungen stellten wir das wohl älteste und einfachste jagdliche Werkzeug der Menschheit her: den Wurfstock. Bei dieser Jagdtechnik geht es darum kleine Tiere auf kurze Distanzen tödlich zu treffen. Wir fällten mit den Kindern einen kleinen Baum dafür, sägten passende Stücke und die Kinder schnitzten ihn an den Enden so rund, dass sie gut damit werfen konnten. Dann übten wir die verschiedenen Wurftechniken: Über Kopf und seitwärts. Wir zielten auf bewegliche und unbewegliche Ziele, nah dran und weit weg und wurden immer geschickter darin, den Wurfstock zu handhaben. Wir sprachen über die Jagd und das Töten von Tieren, über Sinn und Notwendigkeit der Jagd und wir überlegten gemeinsam, welche Eigenschaften ein Jäger haben muss, um bei der Jagd erfolgreich zu sein. Was bei mir hängen blieb war die Begeisterung und die Konzentration der Kids. Die Befriedigung, beim Werfen besser zu werden. Auch bei mir bemerkte ich ein Gefühl der Erfüllung, dass mir dieser schwere Gegenstand und der Umgang damit gab. Auch noch die Tage danach, wenn ich durch den Wald lief, nahm ich mir oft einen passenden Stock und übte mich im Werfen. Es fühlt sich so selbstverständlich und natürlich an, so sicher und auf eine ganz faszinierende Art und Weise: richtig. Und dieses Gefühl des “richtig” konnte ich nicht fassen, konnte es nicht erklären. Es ist doch nur ein Stock, dachte ich mir. Wie kann ein einfacher Stock in der Hand in mir ein solch stimmiges Gefühl erzeugen? Das Gefühl, als sei es das natürlichste der Welt einen Stock in die Hand zu nehmen und damit auf Ziele zu werfen?- Ganz einfach: Es ist das natürlichste der Welt. Es ist das älteste Handwerkzeug des Menschen. Den Stock in die Hand zu nehmen und ihn als Werkzeug zu benutzen ist das, was uns einst zum Menschen machte. Kein Wunder also, dass es sich so richtig gut anfühlt!

Schein und Sein oder: Abschied von Eitelkeiten
Also ich bin so ein Mensch, der sich im Sommer täglich die Beine rasiert und die Fussnägel feilt. Saubere Fingernägel sind ein muss und die tägliche Dusche selbstverständlich. Deo und Creme auch. Hier geht das alles nicht mehr! Die Draußen-Dusche ist zwar super, hat aber auch einige Haken: Kaltes Wasser aus dem Schlauch und wenn man dann barfuss aus der Dusche heraus tritt, sind die Füße auch schon wieder dreckig. Und das Wetter muss stimmen, denn bis meine Haare ohne Fön getrocknet sind dauert es eine ganze Weile. Bei 15 Grad ist das nicht so der Hit mit klatschnassen Haaren (wer hat eigentlich das Wort “handtuchtrocken” erfunden?) durch die Gegend zu laufen. Also gewöhnte ich mich an fettige Haare, dreckige Füße und unrasierte Beine. Leute, ich sag es euch: Das war nicht leicht! Meine weißen T-Shirts tauschte ich gegen braune (braun ist die perfekte Farbe!) und meine Röcke egal welcher Farbe sortierte ich ganz aus. Und ich lernte, dass das “Sein” hier viel wichtiger ist als der “Schein”. In der Natur ist “gutes Aussehen” ja ganz nett. Aber Können ist viel wichtiger! Und damit meine ich sowohl praktische als auch soziale Fähigkeiten: Empathie, Zuhören, Integration, Grenzen ziehen, Grenzen öffnen. Essbare Pflanzen kennen und finden, Spuren kennen und finden, Tiere beobachten, Stöcker gezielt werfen können, Feuer machen, Geschichten erzählen, Hütten bauen, die Sprache der Vögel verstehen. Das sind Skills, die ich brauche, wenn ich gemeinsam mit anderen Menschen da draußen bin, jenseits von Haus und Hof. Weit weg von Toilette und täglicher Dusche. Wer ich bin und wie ich handle: Das ist dann wirklich wichtig, das hat Bedeutung und ist relevant. Ob ich dabei jetzt stoppelige Waden habe ist ziemlich schnuppe. Deshalb ist in der Wildnisschule das “Sein” wichtig und der “Schein” ist es eben nicht.
Eure Hilke.

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